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Conny Perrin und der verflixte nächste Schritt

Erster Tag des WTA-Turnier in Bastad, die Sonne scheint. Zahlreiche Fans haben sich auf den Nebencourts eingefunden, um die Qualifikation fürs Hauptfeld zu verfolgen. Auf Platz 4 duellieren sich kurz vor Mittag die Schweizerin Conny Perrin und Maryna Zanevska. Obwohl die Ukrainerin als Weltranglisten-139. fast 150 Plätze vor der Romande klassiert ist, ist von einem Klassenunterschied nichts zu sehen. Perrin weiss mit ihrem variablen Spiel zu gefallen, stellt die Favoritin immer wieder vor unlösbare Probleme. Dennoch ist es die Neuenburgerin, die nach knapp zwei Stunden als Verliererin vom Platz gehen muss.

Woran es am Ende gelegen hat, möchte ich rund eine Stunde später wissen. Perrins Antwort ist ausführlich – und geht weit über das Spielerische hinaus. “Es geht auf diesem Niveau alles viel schneller, es ist eine komplett andere Energie. Ich hatte heute Mühe, den Rhythmus zu finden”, erklärt sie. “Es hat etwas gedauert, bis ich meine Taktik auch wirklich umsetzen konnte. Im zweiten Satz ist mir das dann sehr gut gelungen. Leider habe ich dann im dritten etwas den Faden verloren. Das ist schade, denn ich war sehr nah dran”, so Perrin weiter. Noch in der Vorwoche hatte sie dieselbe Gegnerin bei einem Turnier in Deutschland klar geschlagen.

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Conny Perrin während ihrer Quali-Partie in Bastad.

Perrin spielt hauptsächlich auf der ITF-Tour, kommt auf mittlerweile 9 Titel, 4 davon im letzten Jahr. Nur selten haben ihre Gegnerinnen aber die Qualität einer Zanevska. 2015 hat Perrin bislang lediglich 4 Matches gegen Top-200-Spielerinnen bestritten, drei davon in den vergangenen 6 Tagen. Perrin sagt deshalb trotz Erstrunden-Out in der Quali: “Die letzte Woche war gut für mich, denn Matches auf diesem Niveau sind genau diejenigen, von denen ich am meisten lernen kann und die mir zeigen, wo ich stehe.”

Sowohl die Intensität als auch die Qualität seien mit einem 10’000- oder 25’000-Turnier nicht zu vergleichen. “Alles geht schneller, man muss sowohl im Kopf als auch körperlich absolut bereit sein. Die Ballwechsel sind viel kürzer, es geht mehr zur Sache. Es ist deshalb nicht einfach, den Schalter plötzlich umzulegen. Aber je mehr solcher Partien ich spiele, desto mehr Routine erhalte ich. Das ist wichtig, damit ich den nächsten Schritt machen kann.”

Die Krux mit dem Budget

Der nächste Schritt – damit meint Perrin die Teilnahme an der Qualifikation zu den Grand-Slam-Turnieren und der Vorstoss in die Top 200. Das würde die Turnierplanung enorm vereinfachen und sie könnte es sich dann wohl auch leisten, ihren Coach öfter dabei zu  haben. “Ich reise momentan meistens alleine, es liegt finanziell einfach nicht drin.” Um ihr “Taschengeld” aufzubessern, spielt Perrin regelmässig in diversen Landesligen. “Des Geldes wegen”, wie sie ohne Umschweife zugibt.

Vor rund anderthalb Jahren hat Perrin, die im Oktober 2011 mit Platz 257 ihr bestes Ranking erreicht hatte, ihre Trainingsbasis nach Göteborg verlegt. Das ist nur rund eine Stunde von Bastad entfernt. “Es ist deshalb wie ein Heimturnier für mich. Es ist schön, dass mein Coach Johan Widenmark wenigstens hier dabei sein kann.”

Sonst managt die 25-Jährige alles alleine: Turnierplan, Flüge, Hotels. Läuft man da nicht Gefahr, jene Energie zu verschwenden, die man auf dem Platz benötigen würde? “Es ist manchmal schon hart, wenn man an alles denken muss. Aber wie man so schön sagt: Übung macht den Meister. Ich muss es so akzeptieren, wie es ist”, sagt Perrin pragmatisch und fügt entschlossen an: “Es wird mich nicht daran hindern, meine Ziele zu erreichen.”

Serena Williams: Das grosse Vorbild

Anschauungsunterricht, wie man mit der richtigen Einstellung und eisernem Willen Träume Realität werden lassen kann, erhält Perrin von höchster Stelle. “Serena Williams ist die grösste Inspiration, die man im Frauentennis haben kann. Sie ist sowohl auf als auch neben dem Court ein grosses Vorbild.” Dasselbe gelte auch für Roger Federer, dem sie einen weiteren Wimbledon-Titel von Herzen gewünscht hätte. “Er liebt das Tennis so sehr. Viele Leute verstehen das nicht.”

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Auch Perrins Liebe zum Tennis hat trotz vieler Höhen und Tiefen in den vergangenen Jahren nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Ihr Ehrgeiz, die gesteckten Ziele zu erreichen, ist grösser denn je. Zu diesen gehört auch die Teilnahme am Fed Cup. Dafür braucht sie aber gute Resultate. “Ich bin überzeugt, dass ich den nächsten Schritt bald machen werde”, sagt sie erneut und verabschiedet sich mit den Worten: “Sorry, ich muss meinen Heimflug buchen.”

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