Das Tennisjahr 2014: Drei Journalisten blicken zurück

Eine ereignisreiche und aus Schweizer Sicht äusserst erfolgreiche Tennissaison ist mit dem Davis Cup vor knapp einer Woche zu Ende gegangen. Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Tennis-Journalisten Adrian Ruch, Marco Keller und Doris Henkel verraten uns ihre ganz persönlichen Highlights.

Adrian Ruch (Berner Zeitung)

Für mich gab es zwei ganz unterschiedliche „Tennis-Momente 2014“: Am Gstaader Turnier hatte ich ein Interview mit Gilles Simon vereinbart. Als der Franzose seinen Match wegen gesundheitlicher Probleme aufgab, rechnete ich nicht mehr damit, dass es stattfinden würde. Doch Simon erschien trotzdem zum Termin, nahm sich 40 Minuten Zeit und erwies sich als äusserst interessanter Gesprächspartner.

Aus sportlicher Sicht war mein Lieblingsmoment das Spiel zwischen Roger Federer und Richard Gasquet in Lille, und zwar nicht, weil die Schweiz den Davis-Cup gewann. Doch schöner, variantenreicher, spektakulärer als Federer in diesem Match kann man kaum spielen. Fast in jedem Game gab es mindestens einen Ballwechsel, der mein Tennisherz höher schlagen liess. Das Zuschauen war ein Genuss; die Bedeutung des Spiels trat für mich völlig in den Hintergrund.

Marco Keller (Berner Zeitung)

Es war mitten in der Nacht und ich wollte mir vor der Bettruhe am TV nur noch zwei Games der US-Open-Partie zwischen Venus Williams und Timea Bacsinszky anschauen. Stattdessen bin ich hängen geblieben, bis Matchende und dem der Amerikanerin, zu solch vorgerückter Stunde gerade bei einem Frauenmatch keine Selbstverständlichkeit. Beeindruckt war ich vom Niveau generell, aber vor allem von der Lausannerin, welche im grössten Freiluft-Tennisstadion der Welt couragiert spielte, ihr Heil auch in der Offensive suchte und die Fans im Arthur-Ashe-Stadium wiederholt zu Szenenapplaus animierte. Dann und wann huschte auch ein Lächeln über Bacsinszkys Gesicht und es war zu sehen, dass ihr Tennis viel Spass macht, vielleicht mehr Spass als je zuvor. Der Entscheid, nach vielen Enttäuschungen und Verletzungen noch einmal einen Anlauf zu nehmen, hat sich gelohnt, und ich traue ihr 2015 sehr viel zu.

Sonntag, 23. November, Lille. Das Schweizer Davis-Cup-Team besteigt nach dem 3:1-Finalsieg gegen Frankreich das Podium . Ein Meilenstein in der Karriere von Roger Federer, Stan Wawrinka und Captain Severin Lüthi, gar der grösste Tennismoment für Marco Chiudinelli und Michael Lammer. Für den Baselbieter und den Zürcher verdienter Lohn für zahllose Entbehrungen, oft genug in der Anonymität der Challenger- oder sogar der Futureturniere. Mit einem Sieg im gemeinsamen Doppel in Serbien sowie der unbedingten Bereitschaft, aus der Rolle der Ersatzspieler das Beste zu machen, haben auch sie respektablen Anteil am Triumph. Diesen Nachmittag und die darauffolgenden Festivitäten im Kreise des Teams und natürlich mit ihrem Jugendfreund Federer verbringen zu können, ist eine Erinnerung, die ihnen niemand nehmen kann. Und ich persönlich freue mich bereits, die beiden nächstes Jahr erneut bei den Juniorenanlässen „Tennis and Friends with Friends on Tour“ begrüssen zu dürfen, diesmal mit zwei Mini-Replikas der „hässlichsten Salatschüssel der Welt“ im Gepäck.

Doris Henkel (div. Zeitungen)

19. April, Pat Rafter Arena Brisbane, Halbfinal im Fed Cup Australien – Deutschland. Angelique Kerber versucht, den dritten Punkt zu machen, Andrea Petkovic verkriecht sich in der Lounge des DTB. Sie hockt hinter einer Glaswand mit Blick auf den Court, tut so, als lese sie in einem Buch – der Graf von Monte Christo –, hämmert aber zwischendurch immer wieder mit der Faust an die Glaswand; zufällig weiss sie genau, wann es auf dem Platz kritisch wird. Bücher helfen offensichtlich in allen Lebenslagen, selbst wenn sie nur Tarnung sind. Die Freudentänze, mit der die Deutschen wenig später den grössten Erfolg im Fed Cup in mehr als 20 Jahren feiern, hätten dem Grafen gefallen.

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