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Deshalb war Federers 2006 besser als Djokovics 2015

Für Zeitungen und Onlinemedien gab es in den vergangenen Tagen nur ein Thema: Welches Jahr war denn nun besser – Roger Federers 2006 oder Novak Djokovics 2015? Wir wollten uns diesbezüglich eigentlich nicht äussern, doch nachdem wir etliche Artikel zu diesem Thema gelesen haben, können wir uns nicht mehr zurückhalten. Es juckt uns in den Fingern.

* IRONIE ON *

Um ehrlich zu sein: Für uns stellt sich obige Frage gar nicht. Es kann nur einen geben. Falls ihr aber immer noch nicht überzeugt seid, dass der Federer von 2006 den Djokovic von 2015 sowas von in den Schatten stellt, legen wir euch folgende Zeilen ans Herz. 4 Gründe: Deshalb war Federers 2006 besser als Djokovics 2015.

Grund 1: Captain Wasabi

Ein Blog? Von Federer geschrieben? Jawohl! Der Schweizer gewährte uns in seiner Wahnsinns-Saison einen Blick hinter die Kulissen, schrieb im Oktober 2006 von seinem Japan-Abenteuer. Unvergessen: Die „Captain-Wasabi-Story“. Der böse, böse Roger versteckte unter dem Sashimi seiner Freundin Mirka eine Portion Wasabi. „Feuer kam aus ihrer Nase“, schrieb Federer, der fortan nur noch in der 3. Person und als „Captain Wasabi“ von sich sprach. Wir erfuhren von Federer aber noch viel mehr, zum Beispiel:

Like probably everyone else, the first place where I go after getting up is the bathroom. This is quite an experience here in Japan as they have the best toilets in the world. You could sit on the toilet for hours! The seat is warm, there is a water spray…Toto, the makers of this special toilet seat, are geniuses. The toilet in my bathroom is like a space shuttle, there are so many buttons that I am always afraid to press the wrong one. I definitely want to buy one for my apartment!

Haben wir von Djokovic Wasabi-Stories erzählt bekommen? Nope. WC-Geschichten? Nö. Eben. Gähn.

Grund 2: Der unvergleichliche Jubel 

Keiner jubelt so schön wie Federer 2006. Nicht mal Djokovic 2015. Ihr glaubt uns nicht? Voilà!

Wer sonst geht so unbeholfen und mit akuter Verletzungsgefahr in die Knie wie Roger?

Wer sonst schluchzt und heult so hemmungslos und ohne Zurückhaltung bei seinem 7. Grand-Slam-Titel?
Wer sonst feiert in einem derart lässigen und stylischen „Tschopen“?

3. Sieg über eine „Legende“

Im Tokio-Viertelfinal bekam es Federer mit Lokalmatador Takao Suzuki zu tun. Wer kennt sie nicht, die japanische Legende? Eben. Kein Wunder, tat sich Federer gegen die Weltnummer 1078 unglaublich schwer. Doch dem Baselbieter gelang das Unglaubliche: Er besiegte den Nicht-Top-1000-Spieler im Tiebreak des 3. Satzes, eine zentnerschwere Last fiel von seinen Schultern. Es kommt schliesslich nicht alle Tage vor, dass man als Weltnummer 1 einen Spieler eines derartigen Nicht-Kalibers in die Knie zwingt. Bevor ihr fragt: Nein, einen DERARTIGEN Sieg kann Djokovic in dieser Saison nicht aufweisen.

 

4. Die religiöse Liebeserklärung

2006 schrieb der mittlerweile verstorbene Schriftsteller David Foster Wallace einen Essay mit dem Titel „Federer als religiöse Erfahrung“. Er nahm den Wimbledon-Final gegen Rafael Nadal als Grundlage für eine Art Liebeserklärung an den Schweizer. Darin war zum Beispiel zu lesen:

These are times, as you watch the young Swiss play, when the jaw drops and eyes protrude and sounds are made that bring spouses in from other rooms to see if you’re O.K.

The metaphysical explanation is that Roger Federer is one of those rare, preternatural athletes who appear to be exempt, at least in part, from certain physical laws.

Like Ali, Jordan, Maradona, and Gretzky, he seems both less and more substantial than the men he faces. Particularly in the all-white that Wimbledon enjoys getting away with still requiring, he looks like what he may well (I think) be: a creature whose body is both flesh and, somehow, light.

Hach, da wird uns (in dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit) ganz warm ums Herz. Sorry Nole, so etwas wurde über dich noch nicht geschrieben. Auch nicht 2015.

Damit dürften jegliche Zweifel bezüglich „2006 oder 2015?“ aus dem Weg geräumt sein. Keine Ursache, haben wir gern gemacht.

* IRONIE OFF *

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