Federer: „Ich konnte nicht befreit aufspielen“

„Ich bin überrascht, dass so viele Journalisten hier sind“, sagte selbst Roger Federer, als er im noblen Grand Hotel Park in Gstaad am Montagabend zu den Journalisten sprach. „Ich erwartete etwa 15-20.“ Gekommen waren aber um die 50. Und alle wollten sie wissen: Wie steht es um Federers körperliche und mentale Verfassung nach dem überraschenden Out in Hamburg? Federer wirkte locker und gut gelaunt und gab über 20 Minuten bereitwillig Auskunft. Bis auf eine Frage…

Roger Federer, Sie haben vor den beiden Turnieren in Hamburg und Gstaad gesagt, ein Turniersieg müsse es schon sein. Wie sehen Sie ihre Ausgangslage jetzt?

Jetzt bin ich wohl etwas unter Druck (schmunzelt). Ich kann jetzt nicht sagen, ein Viertelfinal wäre gut genug. (…) Ich hatte zu kämpfen letzte Woche: Mit meiner Form, generell mit meinem Spiel. Es war aber vielleicht auch genau das, was ich gebraucht habe. Ausgeglichene Matches, in denen ich kämpfen musste. Das war gut. In dieser Saison war es bislang meist sehr einseitig, entweder für den Gegner oder für mich. Von daher konnte ich schon etwas Positives aus Hamburg mitnehmen, aber ich hoffe natürlich, dass ich hier etwas besser spielen kann.

Sie haben in Hamburg ein neues Racket getestet. Werden Sie auch in Gstaad mit dem neuen Modell spielen?

Ich habe das alte Racket gar nicht mitgenommen. Ich fühle mich vom Schlagverhalten, vom Ton und vom Gefühl her sehr wohl mit den Prototypen und bin sehr zufrieden. Es ist sehr angenehm zu spielen, ich habe das Gefühl, dass ich gesamthaft weniger Rahmenbälle habe.  (…) Ich habe vielleicht nicht ganz so nahe an die Linien gespielt wie sonst, aber das ist nach einem Schlägerwechsel normal. Das braucht Zeit. Das kann aber von einem Moment auf den anderen kommen, der neue Schläger braucht jetzt noch ein paar Stunden mehr auf dem Tacho.

Federer erhält eine Glocke als Geschenk.
Federer erhält eine Glocke als Geschenk.

Wie lange geben Sie sich Zeit mit dem neuen Racket?

Dieser Schläger wird sich im Verlauf der nächsten Monate wohl noch leicht verändern. Mit Wilson werde ich weiter tüfteln und schauen, was es noch für Möglichkeiten gibt. Ich habe viele Schläger ausprobiert und der aktuelle hat mir am besten gefallen. Jetzt werden wir daran etwas „rumspielen“. Ich spiele jetzt sicher noch Gstaad mit diesem Modell und dann schauen wir weiter. Der Plan ist aber schon, mit diesem Racket weiterzumachen.

Hat der Rücken in den letzten Tagen mehr Pflege gebraucht als auch schon? Ist wieder ein Problem aufgetaucht?

(Zögernd) Naja, es war ok. Ganz ehrlich, die letzte Woche war nicht optimal. Ich konnte nicht so befreit aufspielen wie ich dies gerne getan hätte. Ich möchte aber gar nicht gross darüber reden. Ich hoffe einfach, dass ich mich optimal vorbereiten kann und werde alles dafür tun, dass ich „zwäg“ bin.

Weshalb werden Sie dieses Turnier gewinnen?

Hmm… Ich bin motiviert und freue mich richtig auf diese Challenge. Das letzte Mal als ich 2004 gespielt habe, habe ich das Turnier gewonnen. Ich hoffe also, dass ich den Titel quasi verteidigen kann. Ich bin an Nummer 1 gesetzt, ich hoffe, dass mir das helfen wird. Es gibt viele Gründe, weshalb ich dieses Turnier gewinnen kann und sollte aber gleichzeitig haben die Gegner dasselbe vor. Vor allem auch Stan. Deshalb muss ich erst einmal ins Turnier finden. Jetzt schon über den Turniersieg zu reden, ist etwas verfrüht.

Die Begeisterung um Roger Federer in Gstaad ist riesig.
Die Begeisterung um Roger Federer in Gstaad ist riesig.

Ihr letzter Auftritt in Gstaad ist schon etwas länger her. Was haben Sie für Erinnerungen ans Berner Oberland?

Das klingt jetzt vielleicht lustig, aber ich erinnere mich immer ans Qualifying hier. 1997 war eine bleibende Erinnerung: Ich verlor 6:7 im dritten gegen einen Italiener und dachte: ‚Es ist mega, dass ich hier bei den Profis mitspielen kann.‘ Der Auftritt ein Jahr später, als ich mit einer Wildcard antreten durfte, war ebenso speziell. Ich  musste respektive durfte grosse Pressekonferenzen halten. Ich konnte auch immer lässige Sachen machen: Ob Alphorn blasen, Kühe melken oder auf den Gletscher fliegen. Hier hatte ich immer noch Zeit für andere Sachen als nur Tennisspielen.

Kürzlich wies Sie das Wirtschaftsmagazin«Forbes» als mächtigsten, einflussreichsten Sportler der Welt aus …

Ehrlich? Davon habe ich gar nichts mitbekommen (schmunzelt). Sie sehen, solche Listen sind für mich nicht das Wichtigste. Was war jetzt die Frage? (schmunzelt)

Es geht um den Bekanntheitsgrad, die Medienabdeckung, das Einkommen, das Vermarktungspotenzial. Ist das für Sie eine Ehre?

Es geht mir gleich gut ohne diese Listen, es geht mir nicht besser (schmunzelt). Ich finde es immer witzig zu sehen, was man heutzutage alles analysiert. Ich wüsste nicht, welcher Sportler mehr Termine wahrnimmt als ich. Ich bin praktisch jeden Tag dran, vor den Turnieren, während den Turnieren. Das hat sich bei uns so eingependelt. Mit Social Media hat das noch einmal zugenommen. Dazu kommt, dass unser Sport eine Weltsportart ist, ich bin also praktisch immer präsent.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *