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Goffin: „Roger bewegt sich wie ein 25-Jähriger“

Wenn es um den derzeit formstärksten Spieler auf der ATP Tour geht, erhält Roger Federer starke Konkurrenz aus Belgien. David Goffin, selbst ein grosser Fan des Baselbieters, hat in den letzten Monaten zu einem fast beispiellosen Siegeszug angesetzt. Eindrückliche 6 Turniersiege hat der 23-Jährige seit Wimbledon auf der Challenger- und ATP-Tour gefeiert und dabei nur gerade zwei Spiele verloren.

Mit Rang 27 war Goffin Anfang Oktober so gut klassiert wie noch nie in seiner Karriere. Macht er so weiter wie in den letzten Monaten, dürfte sein Weg weiter steil nach oben führen. LetsTalkTennis hatte am Rande der Swiss Indoors die Möglichkeit, mit dem sympathischen Belgier zu sprechen.

David Goffin, können Sie mir sagen, wie viele Matches sie seit Wimbledon gewonnen haben oder kommen Sie mit Zählen gar nicht mehr nach?

Hmm… (überlegt). Das müssten so um die 40 Siege sein.

Es sind 41.

Ich weiss gar nicht, was ich dazu sagen soll. Es ist schlicht fantastisch. Ich hatte resultatmässig einen schwierigen Start in die Saison, aber mein Niveau war damals eigentlich schon da. Vor Roland Garros habe ich dann die Arbeit mit meinem neuen Coach Thierry van Cleemput aufgenommen und immer besser gespielt.

Sie haben sich entschieden, nach Wimbledon einige Challenger-Turniere zu spielen. Weshalb?

Ich wollte Selbstvertrauen tanken. Dann habe ich Spiel um Spiel gewonnen und mein Level ist immer besser geworden. Ich habe seit Wimbledon nur zwei Spiele verloren – ich realisiere das alles noch gar nicht richtig.

Haben Sie gespürt, dass es irgendwann „Klick“ gemacht hat?

Es war nicht eine Partie, sondern vielmehr ein Prozess. Ich habe zu Beginn teilweise nicht so gut gespielt, aber trotzdem gewonnen. Das hat mir mental enorm geholfen. Dann habe ich mich kontinuierlich gesteigert und schliesslich mein bestes Tennis gespielt. Ich bin auf den Platz gegangen und habe mir keine Fragen mehr gestellt.

Seit 2004 können auf der Profitour nur Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic ähnlich lange Siegesserien vorweisen…

Ja, aber man muss schon sehen, dass diese Spieler ihre Serie bei Masters-1000-Turnieren und Grand Slams aufgestellt haben, ich hingegen war bei kleineren Turnieren erfolgreich. Es war unglaublich für mich, dass ich zwei 250er-Events gewinnen konnte. Mein Selbstvertrauen ist nach all diesen Erfolgen natürlich gross.

Wenn von jungen Spielern die Rede ist, dann spricht man von Raonic, Dimitrov oder Nishikori. Gehören Sie nicht auch zu dieser Gruppe?

Diese Spieler waren oder sind in den Top 10. Sie haben tolle Resultate erzielt und stehen deshalb zurecht im Fokus. Aber natürlich habe ich zu mir gesagt: Wenn Nishikori einen US-Open-Final erreichen kann, warum sollte ich das nicht auch schaffen können? Ich werde auf jeden Fall weiter hart an mir arbeiten, um ebenfalls dahin zu kommen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nach jeder Partie mit Ihrer Freundin telefonieren. Ist das eine Art Routine für sie?

Ja, normalerweise telefonieren wir nach meinen Matches. Sie verfolgt meine Spiele immer über Livescore oder Livestream und wir machen dann ein kurzes „Debriefing“ (grinst).

Sie kennt sich im Tennis also gut aus?

Ja, sehr. Sie spielt selbst gut Tennis und weiss viel.

Können Sie es sich vorstellen, dass ihre Freundin mit Ihnen auf der Tour mitreist?

Momentan geht das leider nicht, da sie noch an der Universität studiert. Sie wird aber dieses Jahr ihren Abschluss machen und ich hoffe, dass sie mich in der nächsten Saison zu einigen Turnieren begleiten kann.

Als sie vor zwei Jahren gegen Roger Federer bei den French Open spielten, verrieten Sie im Interview, dass in ihrem Zimmer seine Poster hingen. Haben Sie sich dieses Video auch schon auf Youtube angeschaut?

Ja, das habe ich. Das Interview wurde auch schon mehrfach im belgischen TV gezeigt. Es war ein unglaubliches Gefühl für mich: Ich stand erstmals im Hauptfeld eines Grand Slams und erreichte gleich die Achtelfinals. Gegen Roger, einen meiner Lieblingsspieler, habe ich dann eine grossartige Partie gezeigt. Das Interview nach dem Spiel war ein tolles Erlebnis für mich.

Sind Sie überrascht, dass Federer momentan wieder so stark auftritt?

Ja, schon ein wenig. Es ist unglaublich, wie er sich immer wieder steigern kann. Er hat bislang eine grossartige Saison gespielt, auch wenn er gerne ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hätte. Er ist zwar 33 Jahre alt, aber bewegt sich wie ein 25-Jähriger. Er ist physisch wieder absolut top und ich sehe keinen Grund, weshalb es nicht so weitergehen sollte.

Interview: Svenja Mastroberardino

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