Nadal

Oh, Drama! 8 denkwürdige ATP-Momente

Der Franzose Jo-Wilfried Tsonga erntete viel Spott, als er am Rande der Australian Open 2013 behauptete, die Frauen auf der Tour seien „emotional viel weniger stabil“ als die Männer. Mit „hormones and stuff“ stützte der heute 30-Jährige seine These. Er und seine Kollegen hätten diese „bad things“ nicht und könnten sich deshalb immer auf das Wesentliche, sprich das Tennisspielen, konzentrieren. Lässt man die bisherige Saison 2015 Revue passieren, stellt man allerdings fest, dass gerade in diesem Jahr die ATP der WTA in Sachen Drama und Emotionalität meilenweit voraus ist. Ein paar Beispiele gefällig? Wir haben 8 denkwürdige Momente herausgepickt.

8. Andy Murray gegen Tomas Berdych

Die Spannung im Australian-Open-Halbfinal zwischen Murray und Berdych ist förmlich zu greifen. Berdych, neu mit Murrays Ex-Coach Dani Vallverdu in seiner Box, starrt seinen Gegner sekundenlang an, als dieser nach einem gewonnenen Punkt demonstrativ in Richtung von Berdychs Box jubelt.

Die Emotionen kochen anschliessend hoch und machen auch vor den beiden Teams nicht halt. Besonders Murrays Freundin Kim Sears ist in ihrem Element. Sie ballt nicht nur ununterbrochen die Faust, sondern richtet auch ein paar nicht jugendfreie Worte an Berdych. Englische Medien baten schliesslich professionelle Lippenleser, das Gesagte zu entziffern. Ganz einig werden sie sich dabei nicht, eines ist aber klar: Das „F-Wort“ kam mehr als einmal vor.

Sears nahm die „Affäre“ mit Humor. Im Endspiel trug die 27-Jährige ein Shirt mit der Aufschrift „Parental Advisory – Explicit Content“ (Hinweis für Erziehungsberechtigte – allzu deutlicher Inhalt).

7. Andy Murray gegen Lukas Rosol

Bei einem Seitenwechsel im Viertelfinal des ATP-Turniers in München zwischen Murray und Rosol kommt es zum (vom Tschechen gewollten?) Rempler. Wenig später platzt Murray der Kragen. „No one likes you on tour“, wettert der Schotte genervt und fügt an: „Everybody hates you!“

6. Thanasi Kokkinakis gegen Ryan Harrison

Hoch zu und her geht es im Quali-Match in Cincinnati zwischen Kokkinakis und Harrison. Die beiden provozieren sich gegenseitig und gehen sich am Netz beinahe an die Gurgel. Schiedsrichter Mo Lahyani kann die beiden Streithähne gerade noch trennen.

Was war passiert? Lahyani hatte den Zorn Harrisons mit einigen umstrittenen „Overrules“ auf sich gezogen. Später verwarnte er den amerikanischen Heisssporn, was diesem gar nicht in den Kram passte. Ausserdem soll sich Harrison über Kokkinakis („37 Tatoos und 23 Ohrringe“) lustig gemacht haben, was dieser wiederum mit Beleidigungen konterte.

5. Bernard Tomic gegen die Polizei

Etwas zu wild feiert Skandalnudel Tomic im Juli in Miami. Er veranstaltet in seinem Penthouse in South Beach einen derartigen Lärm, dass die Polizei ihn morgens um 5:30 Uhr festnimmt.

Es war das Ende einer turbulenten Woche Tomics, die mit einem Mail-Skandal seitens des australischen Tennisverbands begonnen hatte. In ihrem wöchentlichen Resultat-Update verschickte „Tennis Australia“ eine Nachricht, in der geschrieben stand, dass Tomic bei den „Hall of Shame Tennis Championships“ teilnehmen würde. Natürlich ist der korrekte Name des Turniers „Hall of Fame Tennis Championships“. Die Verantwortlichen entschuldigten sich umgehend bei Tomic.

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4. Nick Kyrgios gegen den Rest der Welt

Wimbledon, wo er sich im vergangenen Jahr mit dem Sieg gegen Rafael Nadal regelrecht ins Rampenlicht katapultiert hatte, brachte Kyrgios heuer kein Glück. Das australische Sorgenkind trat von einem Fettnäpfchen ins nächste und hielt die Organisatoren mit seinem (Fehl-)Verhalten auf Trab.

In seinem Erstunden-Match gegen Diego Schwartzmann weigert er sich, nach einer umstrittenen Challenge weiterzuspielen. Dann bezeichnet er den Schiedsrichter als „dreckigen Abschaum“, nur um wenig später zu behaupten, die Worte seien an sich selbst gerichtet gewesen. Im Achtelfinal gegen Richard Gasquet schenkt der 20-Jährige ein Game non-chalant her und wird bei der anschliessenden Pressekonferenz auf gut deutsch „zur Schnecke“ gemacht.

3. Sergiy Stakhovsky gegen Homosexuelle

Der Serve-and-Volley-Spezialist sorgt nicht zum ersten Mal mit despektierlichen Aussagen für Stirnrunzeln. So sagte er gegenüber einer ukrainischen Webseite, dass er seiner Tochter nie erlauben würde, Tennisprofi zu werden. Dies, weil auf der WTA-Tour praktisch jede zweite Spielerin lesbisch sei. „Können Sie sich das vorstellen – fast die Hälfte. Ich werde meine Tochter definitiv nicht zum Tennis schicken.“

Die Reaktionen fielen heftig aus. So distanzierten sich sowohl die ATP als auch die WTA von den Aussagen Stakhovskys. Auch die geoutete Martina Navratilova knöpfte sich den 29-Jährigen, der sich wenig später wenig überzeugend via Social Media entschuldigte, vor. Bei den US Open dürfte Stakhovsky noch einiges zu hören bekommen:

2. Rafael Nadal gegen Carlos Bernardes

Ein gar kurioser Vorfall spielt sich im Februar in Rio de Janeiro ab. Weil er seine Hose im Spiel gegen Fabio Fognini falsch rum angezogen hat, fragt Nadal bei Schiedsrichter Carlos Bernardes nach, ob er kurz in die Garderobe gehen dürfe. Bernardes erklärt dem Spanier, dass er eine Verwarnung wegen Zeitspiels bekommen würde, sollte er den Platz verlassen. Das bringt Nadal derart in Rage, dass er beim Seitenwechsel flucht wie ein Rohrspatz und Bernardes droht, dass er dafür sorgen werde, dass dieser in Zukunft bei seinen Spiel nicht mehr eingesetzt werde.

Nadal machte seine Drohung tatsächlich wahr. Er bat die ATP, Bernardes zumindest vorübergehend nicht mehr seine Partien leiten zu lassen. Diese folgte dem Wunsch des 14-fachen Grand-Slam-Champions. Seit besagtem Vorfall sass Bernardes bei Nadal-Spielen nie mehr auf dem Schiedsrichterstuhl.

1. Nick Kyrgios gegen Stan Wawrinka

Der Vorfall von vergangener Woche in Montreal ist noch immer in aller Munde. „Kokkinakis hat deine Freundin geknallt“, sagt Kyrgios im Match gegen Wawrinka so laut, dass es über die Platzmikrofone zu hören ist. Nicht nur brüskierte er damit seinen Gegner in einer noch nie da gewesenen Art, er involvierte mit seiner Aussage auch unbeteiligte Personen. Eine davon ist sein Kumpel Kokkinakis, der danach deutliche Worte findet. „Ich habe ihm gesagt, dass er das nicht machen kann“, so der australische Youngster.

Noch dürfte das letzte Wort in dieser Sache nicht gesprochen sein. Die ATP untersucht derzeit, ob Kyrgios‘ Fehlverhalten neben einer Geldstrafe ($10’000 Dollar) noch weitere Konsequenzen haben wird.

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