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Roger Federer hat mich eines Besseren belehrt – wieder einmal

Der Freitag war mal wieder so ein Tag. Magisch. Ein Tennismatch zweier grosser Champions, das die Massen im Stadion und vor den TV-Bildschirmen begeistert, ja gefesselt hat. Die Journalisten hatten ihr Arsenal an Superlativen bereits bei Spielmitte aufgebraucht, die Fans kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Manch einem dürfte der Mund jetzt noch offen stehen.

Was Federer an diesem Freitagnachmittag auf den heiligen Rasen zauberte, war schlicht phänomenal. „Eines der besten Matches meiner Karriere überhaupt“, sollte der Schweizer im Anschluss an die Partie sagen. Basierend auf einem unglaublichen Aufschlag – 20 Asse und 84% der Punkte bei 1. Service – war er  in jeder Hinsicht der bessere Spieler. 56 Gewinnschläge bei nur 11 Fehlern – Federer spielte sich in schwindlige Höhen, die Statistiker mussten regelrecht nach einem Tolggen im Reinheft suchen.

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Da war er wieder, „Peak Federer“. Der „Unmenschliche“, der mit 33 Jahren und 338 Tagen „eine der wohl besten Leistungen zeigte, die der Centre Court je gesehen hat“ (BBC-Journalist Russell Fuller). Kam der Exploit von Roger Federer überraschend? Nein. Er konnte in dieser Form aber auch nicht erwartet werden.

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Ich gebe zu: Ich hatte eine engere Partie vorausgesehen, geschweige denn einen Dreisatzsieg. Und weil ich von Natur aus bei Schweizer Sportlern eher Pessimist denn Optimist bin, tendierte ich zu Murray als Sieger. Doch Federer hat mich eines Besseren belehrt – wieder einmal.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich nach dem Halbfinal Schlagzeilen lesen würde wie „Federer wie zu seinen besten Zeiten“ oder „Federer dreht die Uhr zurück“. Zu gross waren meine Bedenken, die reelle Chance auf einen weiteren (und letzten?) Wimbledon- respektive Grand-Slam-Triumph würde den Rekordmann lähmen. Doch Federer hat mich eines Besseren belehrt – wieder einmal.

Bereits nach seinem Erstrunden-Match sagte ich: ‚Ooh, Roger tanzt wieder.‘ (Ivan Ljubicic)

Im hohen Tennisalter stellt Federer Dinge an, die teilweise über das Vorstellungsvermögen hinausgehen. Und er tut dies mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Oder wie sein ehemaliger Weggefährte Ivan Ljubicic sagt: „Roger tanzt wieder.“ Wenn er dies tut, bedeutet das für die Konkurrenz meistens nichts Gutes. Der beste Platz in dieser unvergleichlichen „Federer-Show“ war Murray zugewiesen. Ich hatte das so nicht erwartet. Doch Federer hat mich eines Besseren belehrt – wieder einmal.

https://twitter.com/rogerfederer/status/619630317582815233

Bei aller Lobhudelei gerät fast in Vergessenheit, dass es „nur“ ein Halbfinal war. Der entscheidende Schritt steht erst noch bevor. Mit seiner Leistung hat sich Federer in die Favoritenrolle fürs Endspiel katapultiert, auch wenn mit Novak Djokovic der aktuell beste und konstanteste Tennisspieler wartet. Ein ganz klein wenig macht sich bei mir die Befürchtung breit, dass Federer sein Pulver bereits verschossen haben könnte. Doch er wird mich hoffentlich eines Besseren belehren – wieder einmal.

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