„Sacre Bleu!“ – Ein explosiver Tennis-Sommer

Wer dachte, nach dem Grand-Slam-Turnier in Wimbledon einmal kurz durchatmen zu können, der irrte gewaltig. Noch selten waren die Wochen zwischen Wimbledon und den US Open derart turbulent wie in diesem Jahr. Überraschende Rücktritte, noch überraschendere Planänderungen und eine angeschlagene „Grande Nation“. Ein kleiner Rückblick auf den explosiven Sommer, der mit den US Open hoffentlich spektakulär zu Ende gehen wird.

1. Rücktritt von Marion Bartoli

„Mein Körper hält den Belastungen nicht mehr stand. Es ist Zeit für mich, zu gehen.“ Mit diesen Worten beendete Marion Bartoli am 15. August ihre Karriere. Gerade einmal fünf Wochen nach ihrem sensationellen Wimbledon-Triumph. Der (vorzeitige) Rücktritt mutet seltsam an. Die 28-Jährige gab ihren Entscheid nach der Niederlage gegen Simona Halep in Cincinnati bekannt – die Journalisten bei der Pressekonferenz konnte man an einer Hand abzählen. Weder das engere Umfeld noch ihre Vertrauten auf der Tour schienen über ihren Entscheid in Kenntnis gesetzt worden zu sein, wie dieser Artikel beweist. Einen neuen „Job“ hat Bartoli indes bereits: Sie wird bei den US Open als Expertin für Eurosport im Einsatz stehen.

2. Verletzungsmisere der Franzosen

„Sacre Bleu!“ Was ist nur mit den Franzosen los? Nicht nur Bartolis Rücktritt sorgte in den letzten Tagen für Schlagzeilen. Mit Jo-Wilfried Tsonga und Gilles Simon mussten die Nummern 8 und 17 der Welt für die US Open absagen. Während Tsonga eine Knieverletzung auskuriert, schlug sich Simon zuletzt mit Keuchhusten und gebrochenen Rippen (!) herum. Auch hinter dem Start von Gaël Monfils, der seit rund einem Monat kein Spiel mehr bestritten hat, steht ein dickes Fragezeichen. Nicht zuletzt kämpft auch Benoit Paire mit kleineren Blessuren – und auch etwas Heimweh? Nach dem Out in Cincinnati flog der 24-Jährige kurzerhand nach Hause, nur um einige Tage später wieder einen Flieger in die USA zu besteigen.

3. Das Coach-Karussell auf der WTA-Tour dreht

Auf der WTA-Tour kam es in den letzten Tagen gleich zu zwei spektakulären Coach-Entlassungen. Zum einen ist da Sam Stosur, die ihre Zusammenarbeit mit Dave Taylor nach sechs Jahren beendete. Der Australier mit Wohnsitz in Liechtenstein führte die mittlerweile 29-Jährige 2011 bei den US Open zu ihrem bislang einzigen Grand-Slam-Triumph. Weit spektakulärer war die Entlassung von Jimmy Connors als Trainer von Maria Sharapova. Der Amerikaner wurde nach nur einem einzigen Spiel gefeuert. Wie „Tennis.com“ berichtete, soll Sharapovas Vater Yuri Connors angestellt und ihn anschliessend wieder entlassen haben. Gemäss dem amerikanischen Journalisten Matt Cronin soll nun Papa Yuri sein Coaching-Comeback geben.

4. Rogers sommerliche Abenteuer-Reise

Roger Federer wagte sich in den vergangenen Monaten auf weitgehend unbekanntes Terrain. Zum einen war da seine Rückkehr nach Hamburg und Gstaad. Zwei Turniere, die er in den letzten Jahren nicht mehr gespielt hatte. Überraschend war dieser Entscheid insofern, als dass Federer vor der nordamerikanischen Hardplatz-Tournee noch einmal auf Sand spielte. Ebenfalls nicht geplant war sein Racketwechsel. Vom neuen Modell erhoffte sich der Schweizer mehr Power – dieser Schuss ging aber (vorerst) nach hinten los. In Cincinnati, seinem spielerisch besten Turnier seit Wimbledon, griff er bereits wieder auf das alte Racket zurück und wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die US Open damit bestreiten. Auch wenn er in diesem Sommer nicht mit Glanzleistungen brillierte – Gesprächsstoff lieferte Federer (auch mit Desire) allemal.

5. Nadals Erfolgsserie auf Hardcourt

Ach ja, Tennis wurde in den letzten Wochen auch noch gespielt. Im Fall von Rafael Nadal sogar sehr erfolgreich. Der Spanier gewann die beiden Masters-Turniere in Montreal und Cincinnati in eindrücklicher Manier und schraubte seine Hardcourt-Bilanz in dieser Saison auf 16:0. Keine Frage, der Mallorquiner geht bei den US Open als grosser Favorit an den Start. Es ist noch nicht allzu lange her (nach dem Out in Wimbledon) als etliche Experten und Journalisten prophezeiten, Nadal würde höchstens noch drei oder vier Turniere bis Ende Jahr spielen. Dass er eines davon gewinnen würde, hätte man ihm ebenfalls nicht zugetraut. Mich wundert diese Haltung extrem, denn: Nadal hat sich schon mehr als einmal zurückgekämpft. Alleine schon die Serie seit seinem Comeback im Februar bis zu Wimbledon war mit 44:2 mehr als eindrücklich.