Schett: „Interviews mit Roger Federer sind immer spannend“

(Bildquelle: Copyright Helge Kirchberger)

Barbara Schett ist eine ehemalige österreichische Tennisspielerin, die im Ranking 1999 bis auf Rang 7 hochkletterte. Seit ihrem Rücktritt 2005 überzeugt die heute 37-Jährige als Expertin bei Eurosport und ist auch sonst dem Tennis treu geblieben. Im exklusiven Interview mit Lets Talk Tennis spricht Schett über ihr „neues“ Leben, unterhaltsame und langweilige Gesprächspartner und verrät ihr peinlichstes Erlebnis.

Barbara Schett, Sie sind dem Tennis auch nach Ihrem Rücktritt treu geblieben, sind unter anderem als Eurosport-Expertin auf der Tour unterwegs. Sie haben mittlerweile auch eine Familie. Wie schaffen sie es, alles unter einen Hut zu bringen? 

Schett: Ohne die Unterstützung meines Mannes und meiner Eltern wäre es mir nicht möglich, meiner derzeitigen Arbeit nachzugehen. Ich bin beruflich bei allen 4 Grand-Slam-Turnieren vor Ort, aber auch beim bet-at-home Cup in Kitzbühel und dem Generali Ladies in Linz live dabei. In etwa reise ich 12 Wochen im Jahr und den Rest bin ich Mutter und eine ganz normale Frau. Ich gehe auf den Spielplatz, usw…

Wie schwierig ist es, nach Jahren auf der Tour nach dem Rücktritt plötzlich ein „normales“ Leben führen zu müssen? Müsste man die Spielerinnen besser auf ihr Karriereende vorbereiten?

Für mich war es immer klar, dass ich schon während meiner Karriere planen muss, in welcher Richtung ich mich später orientieren will. Ich musste wissen, was nach meinem Tennisleben kommt und ich wusste, dass ich dem Tennis treu bleiben möchte. Unmittelbar nach meinem Karriereende begann ich bei Eurosport, wurde Turnierbotschafterin des „Generali Ladies“ in Linz und startete als Markenbotschafterin für eine Reihe namhafter Unternehmen. Jeder sollte sich vor dem Ende seiner Karriere Gedanken machen, wohin es beruflich gehen könnte und vor allem: Man muss seine Kontakte nutzen. Auch muss man wissen, dass sich nicht mehr alles um einen selbst dreht sondern man muss lernen, sich zu anpassen. Wie gesagt, ich hatte keine Probleme mit der Umstellung und bin sehr glücklich mit meinem Leben.

Bei den Damen ist seit geraumer Zeit On-Court-Coaching möglich. Was halten Sie persönlich davon? 

Ich persönlich halte nicht sehr viel davon. Tennis ist eine Einzelsportart und es ist schön, die Entscheidungen alleine zu treffen. Ich hätte davon wahrscheinlich nicht wirklich Gebrauch gemacht. Für den TV-Zuschauer andererseits ist es spannend, die Kommunikation zwischen Trainer und Spieler zu verfolgen.

Sie interviewen als Expertin sämtliche Top-Spieler/innen. Welches ist der/die angenehmste und unterhaltsamste Gesprächspartner/in?

Extrem entspannend und spannend ist es immer, Roger Federer zu interviewen. Er ist immer freundlich und geht mit Charme auf Fragen ein. Auch Novak Djokovic antwortet intelligent, aber doch mit Humor. Auf Maria Sharapovas professionelle Antworten kann man sich ebenfalls immer verlassen.  Caroline Wozniacki und Agnieszka Radwanska geben meistens Standartantworten und man erfährt selten etwas Neues. Mit Serena Williams ist es wie in der Lotterie: Man weiss nicht, was kommt. Ich denke, bei ihr ist es abhängig von der Tagesverfassung.

Sie stehen oft vor der Kamera. Was ist das Peinlichste, was Ihnen je passiert ist?

Das war letztes Jahr beim Masters in Istanbul, als ich ein Live-Interview mit Mary Pierce führte. Ich wartete auf ein Signal meines Produzenten im Ohr, um mir zu sagen, wann ich zum Match linken soll. Doch es kam und kam nichts. Auf einmal gingen mir die Fragen aus und das einzige, was ich noch rausbrachte, war: „Ok Mary, what else?“ Darauf passierte 20 Sekunden gar nichts, ehe sie Gott sei Dank einfach drauf los plapperte. Mir war es aber extrem peinlich!

Marion Bartoli beendet ihre Karriere auf dem Höhepunkt. Haben Sie damit gerechnet? 

Auch für mich kam diese Entscheidung sehr überraschend, aber ich hoffe, dass diese nur aus einer momentanen Stimmung heraus erfolgte und sie das Ganze nochmals überdenkt. Sie hätte eventuell mal 2-3 Monate pausieren können und hätte dann gemerkt, ob sie die Motivation noch hat oder nicht. Spätestens Wimbledon 2014 wird Marion mit einem wehmütigen Auge vor dem TV sitzen, wenn sie ihren Titel nicht verteidigen kann.

Tamira Paszek kommt in diesem Jahr einfach nicht auf Touren. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich denke, dass Tamira momentan einfach Null Selbstvertrauen hat. Es ist eine Frage der Zeit bis sie diese wieder findet. Sie ist noch jung genug, um aus diesem Loch herauszufinden. Mit Fleiss, Disziplin und Hartnäckigkeit kann sie es schaffen.

Wenn Sie ein Match in ihrer Karriere noch einmal spielen könnten: welches wäre es und warum?

Ich hatte einmal in Madrid Matchball gegen Monica Seles, als sie die Nummer 1 der Welt war. Ihr zweiter Aufschlag versprang damals auf der Linie und sprang direkt über mich drüber. Wenn ich nicht so weit im Feld auf den Return gewartet hätte, wäre der Punkt wohl an mich gegangen. Nachher hatte ich leider nie mehr die Möglichkeit, gegen sie zu spielen.

Martina Hingis hat ein erneutes Comeback gewagt. Trauen Sie ihr im Doppel einen grossen Titel zu?

Mit dem richtigen Partner definitiv!

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