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Schnyder & Co: Schweizerinnen in Comeback-Laune

Am Mittwoch dürfte es so weit sein: Patty Schnyder wird beim mit 25’000 Dollar dotierten ITF-Turnier in Darmstadt ihr Comeback geben. Die Baselbieterin erhielt von den Organisatoren eine Wildcard fürs Hauptfeld. Eigentlich wollte Schnyder bereits vor zwei Wochen in Versmold in der Qualifikation an den Start gehen, eine Wadenverletzung machte der mittlerweile 36-Jährigen aber einen Strich durch die Rechnung.

Doch Schnyder ist bei weitem nicht die einzige Schweizerin, die (in ihrem Fall nur einmalig?) auf die Tour zurückkehrt. Die Mutter der sieben Monate alten Kim Ayla reiht sich in eine Liste von Schweizerinnen ein, die in der jüngeren Vergangenheit den Rücktritt vom Rücktritt gegeben haben. Eine Übersicht:

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© Christopher Levy

1. Martina Hingis 

Sie ist die bis heute erfolgreichste Schweizerin im Frauentennis. Im Einzel gewann sie fünf Grand-Slam-Turniere, im Doppel sind es mittlerweile sogar zehn. Den jüngsten Coup landete Hingis zusammen mit Sania Mirza in Wimbledon, als sie 13 Jahre nach ihrem letzten Grand-Slam-Erfolg im Doppel wieder zuschlagen konnte. Hingis kehrte vor zwei Jahren (zum zweiten Mal) auf die Tour zurück, ist seither mit Ausnahme des Fed Cups aber nur noch im Doppel aktiv.

Grund der Rückkehr: Das Tennis hat in Hingis Leben schon immer die Hauptrolle gespielt. Weil körperlich noch immer topfit und mit unglaublichem Spielwitz ausgestattet, hat die Schweizerin die Rückkehr problemlos geschafft.

Zukunftsaussichten: Der jüngste Grand-Slam-Titel der 34-Jährigen ist erst eine Woche alt, in der Weltrangliste ist sie bereits die Nummer 2. Macht sie zusammen mit Mirza so weiter, dürften noch viele Turniersiege folgen.

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© Christopher Levy

2. Timea Bacsinszky

Ihre Story hat hohe Wellen geschlagen. Nach einer schweren Verletzung und Motivationsproblemen stellte die Romande das Racket 2013 vorübergehend in die Ecke und arbeitete stattdessen als Servicefachangestellte. Ihr Plan: Die Hotelfachschule. Die Fortsetzung der Story ist mittlerweile bekannt: Eine schicksalhafte E-Mail sorgte für Bacsinszkys Comeback bei den French Open vor zwei Jahren, ihr Erfolgslauf seither sucht seinesgleichen.

Grund der Rückkehr: Als Kind vom Vater auf Erfolg getrimmt, verging Bacsinszky die Lust am Tennis. Erst nachdem sie ihre Vergangenheit mit einer Psychologin aufarbeiten konnte, kehrte die 26-Jährige auf den Court zurück. „Es ist das erste Mal in meinem Leben, das ich selber entschieden habe, Tennis zu spielen“, sagt sie heute. Und sie sollte es nicht bereuen: Das Jahr 2015 bescherte ihr bereits zwei Turniersiege sowie die Halbfinal- respektive die Viertelfinal-Qualifikation bei den French Open und in Wimbledon.

Zukunftsaussichten: „Ich weiss nicht, wo meine Grenzen liegen“, sagt Bacsinszky. Mittlerweile hat sich die Rechtshänderin im Ranking auf Platz 14 vorgearbeitet, in der Jahreswertung liegt sie sogar auf Rang 9. Ihre Zukunftsaussichten sind rosig.

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© Svenja Mastroberardino

3. Amra Sadikovic

Die Aargauerin hatte vor etwas mehr als einem Jahr ihren Rücktritt erklärt. Auf der ITF-Tour gewann sie 8 Einzel- und 11 Doppel-Titel, der endgültige Durchbruch blieb ihr aber verwehrt. Schweren Herzens verabschiedete sie sich vom Spitzensport und arbeitete seither als Tennistrainerin. Nun hat sie das Fieber aber wieder gepackt. In Essen feierte Sadikovic vergangenen Monat ihr Comeback – dies, obwohl sie bis Ende Juni noch fest angestellt war. Der Erfolg stellte sich aber sofort ein. Sie qualifizierte sich bei sämtlichen vier ITF-Turnieren fürs Hauptfeld, ihre Bilanz: 14:2.

Grund der Rückkehr: Danach gefragt antwortet Sadikovic: „Die Liebe zum Tennis.“ Sie habe während ihrer Auszeit viel gelernt und sich weiterentwickelt. „Hart gearbeitet habe ich schon früher, dies werde ich auch in Zukunft tun. Mir fehlte jedoch die nötige Spur Lockerheit. Diese bringe ich nun mit“, sagt die 26-Jährige.

Zukunftsaussichten: Sadikovic bringt alle Voraussetzungen mit, um es weit zu bringen. Sie ist gross, athletisch und verfügt über ein beträchtliches Schlagrepertoire. Ausserdem ist die Frohnatur eine ausgezeichnete Serve-and-Volley-Spielerin. Ihr Potenzial hatte sie während ihrer „ersten Karriere“ keinesfalls ausgeschöpft. Dies will sie nun nachholen.

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4. Patty Schnyder

Sie ist nun also die nächste Schweizerin, die es noch einmal wissen möchte. Nach den French Open 2011 hatte Patty Schnyder ihren Rücktritt bekannt gegeben, seither sorgte nur noch mit privaten Schlagzeilen für Aufsehen. Zuletzt ist es um die ehemalige Weltranglisten-7. allerdings ruhig geworden, vor sieben Monaten brachte sie Töchterchen Kim Ayla zur Welt. Ihr Comeback kommt deshalb eher unerwartet.

Grund der Rückkehr: Darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Immer wieder rankten sich Gerüchte um Geldprobleme, darum dürfte es ihr bei einem 25’000-Event aber kaum gehen. Vielleicht möchte Schnyder auch einfach nur wissen, ob sie sich mit ihren 36 Jahre noch mit ihren „Nachfolgerinnen“ messen kann.

Zukunftsaussichten: Auch dazu kann man wohl erst nach ihrem ersten Auftritt Stellung nehmen. Doch eines scheint klar: Die Linkshänderin mit dem für Gegnerinnen ekligen Spin dürfte die eine oder andere Konkurrentin auch heute noch locker abtrocknen, ausserdem ist sie komplett austrainiert. Ob es sogar für mehr, sprich WTA-Turniere reichen wird? We will see.

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