Bildschirmfoto 2015-07-14 um 09.38.27

Vogts Odyssee: 26 Stunden, 576 Kilometer, 2 Matches

2:6, 6:1, 5:7 gegen die Weltnummer 73 am Samstag, 4:6, 4:6 gegen die Weltnummer 596 am Sonntag. Unerklärlich, ist man beim Betrachten dieser Resultate geneigt zu sagen. Das Beispiel von Stephanie Vogt (WTA 146) zeigt aber, dass die nackten Zahlen nicht immer die ganze Wahrheit erzählen. Die Liechtensteinerin hat sich für LetsTalkTennis in Bastad Zeit genommen und uns die Odyssee erzählt, die hinter diesen beiden Ergebnissen steckt.

Samstag, 11. Juli, Versmold (Nordrhein-Westfalen). Steffi Vogt bestreitet beim mit 50’000 Dollar dotierten Turnier um 13 Uhr den Halbfinal gegen Johanna Larsson, die Nummer 73 der Welt. Vor dem Match sind ihre Gedanken aber nicht nur bei diesem Spiel. „Ich wusste, dass wenn ich verliere, die Partie um 16 Uhr fertig sein muss, sonst hätte ich hier in Bastad die Qualifikation nicht spielen dürfen. Das ‚Sign-In‘ lief von 13 bis 16 Uhr und weil ich ’nur‘ von einem 50’000er-Turnier komme, hätten sie mir keinen ‚Late-Start‘ erlaubt“, erklärt Vogt.

So schwirrte in ihrem Kopf das Worst-Case-Szenario herum: Nach 16 Uhr in Versmold verlieren und in Bastad nicht spielen dürfen. Dabei ist für Spielerinnen in ihrer Ranking-Region die Teilnahme an einem WTA-Turnier immer eine grosse Chance.

Kurz vor dem wohl grössten Sieg

Auf dem Platz zeigt Vogt dann aber keine Konzentrationsschwächen oder Anzeichen von Frust. Sie bietet Favoritin Larsson die Stirn, erkämpft sich drei Matchbälle, muss am Ende aber als Verliererin vom Platz. „Wenigstens habe ich rechtzeitig verloren“, sagt sie rückblickend mit einem gequälten Lächeln. Will heissen: So schnell wie möglich nach Bastad. Zeit, die brutale Niederlage zu verdauen, bleibt keine.

„Die Koffer hatte ich vor der Partie schon gepackt, denn ich wusste, dass bei einer Niederlage alles sehr schnell gehen muss.“ Vogt nimmt den Zug von Osnabrück nach Kopenhagen – ein siebenstündiger Trip. Dort wird sie um 00:15 Uhr abgeholt und ins Quali-Hotel nach Helsingborg gebracht. „Ich bin schliesslich um 2 Uhr morgens angekommen“, so die 25-Jährige.

Mental und körperlich nicht bereit

Nach wenigen Stunden Schlaf gehts von Helsingborg nach Bastad, erneut fast eine Stunde Reisezeit. Kurz einspielen und dann gilt es schon wieder ernst. Gegen 15 Uhr beginnt die Balznerin die Qualifikationspartie gegen die Italienerin Nastassja Burnett. Doch Vogt ist – den Umständen geschuldet – nicht auf der Höhe. „Es war einfach zu viel. Ich hatte die Partie vom Vortag noch nicht verarbeitet, schliesslich stand ich kurz davor, einen der grössten Siege meiner Karriere zu feiern. Ich hätte während der Partie am liebsten mein Racket zertrümmert“, gibt Vogt unumwunden zu.

Auch körperlich machen sich die Strapazen der vergangenen 24 Stunden bemerkbar. „Ich habe mich schlecht bewegt“, so die Liechtensteinerin. Nach rund anderthalb Stunden ist die Partie vorbei, Vogt unterliegt 4:6, 4:6. Gegen eine Gegnerin, gegen die sie unter anderen Umständen eine sehr gute Siegchance gehabt hätte. Aber die nackten Zahlen erzählen eben nicht immer die ganze Geschichte.

Hinweis: Lest das ganze Interview mit Steffi Vogt noch in dieser Woche auf LetsTalkTennis. Sie spricht dort unter anderem über den grossen Grand-Slam-Traum und ihre Pläne für nach der Karriere.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *