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Strycova über Temperament, Handshakes und Schnecken

Man könnte sie als „unsichtbare Tschechin“ bezeichnen: Barbora Strycova. Obwohl sie in Tenniskreisen immer wieder für Aufsehen sorgt (später dazu mehr), dürfte der „0815“-Tennisfan nicht allzu viel über sie wissen. Zu sehr steht die Tschechin im Schatten ihrer berühmteren Landsfrauen Petra Kvitova, Lucie Safarova und zuletzt auch Karolina Pliskova.

Doch auch Strycova hat einiges zu erzählen – und das mit Abstand beste Jahr ihrer Karriere hinter sich. 2014 erreichte sie in Wimbledon zum ersten und bislang einzigen Mal den Viertelfinal bei einem Grand-Slam-Turnier und knackte wenig später die Top 20. Vier Tschechinnen unter den besten 20 Spielerinnen der Welt – das hatte es zuvor noch nicht gegeben. „Bitte frag mich jetzt nicht, woran es liegt“, lacht Strycova, „ich weiss es wirklich nicht. Diese Frage wurde mir in letzter Zeit immer wieder gestellt.“

Auf diese Frage verzichten wir also und sprechen mit der 29-Jährigen in Bastad über ihr Temperament, das einsame Leben auf der Tour und ihre Liebe zu Schnecken. Natürlich wollen wir auch wissen, wie es zu DEM Handshake im vergangenen Jahr mit Elina Svitolina in Tokio kam.

LetsTalkTennis: Barbora Strycova, Sie sind als temperamentvolle Spielerin bekannt. Auch heute in ihrem Erstrunden-Match gegen Grace Min haben sie immer wieder geflucht und ihren Gefühlen freien Lauf gelassen. Waren Sie schon immer so?

Barbora Strycova: Ja, auf jeden Fall. Ich bin generell ein sehr emotionaler Mensch, nicht nur auf dem Platz.

Wie äussert sich das?

Mir fehlt zum Beispiel die Geduld. Ich hasse es, wenn ich auf etwas warten muss. Aber ich arbeite zusammen mit einem Mentalcoach daran und habe mich schon gebessert. Es hängt aber davon ab, wie müde ich bin. Wenn ich erschöpft bin, fällt es mir schwerer, das Ganze zu kontrollieren. Heute war ich zu Beginn des Matches sehr emotional, weil ich mich nicht gut gefühlt habe. Es ist dann aber besser geworden.

Ist für ihr Temperament bekannt: Barbora Strycova (© Christopher Levy)

Sie haben im Gegensatz zu den meisten ihrer Konkurrentinnen einen sehr variablen Spielstil, rücken immer wieder ans Netz vor. Haben Sie schon immer so gespielt?

Ja, seit ich klein bin. Ich habe es schon immer geliebt, ans Netz zu kommen und den Punkt mit einem Volley abzuschliessen. Das war schon immer mein Stil. Es hat vor allem damit zu tun, dass ich relativ klein bin (1,64 Meter, Anm. d. Red.) und nicht so viel Power habe. Ich muss einen anderen Weg finden, um meine Gegnerinnen zu schlagen. Da fliessen auch viel taktische Überlegungen mit ein. Für mich ist Tennis wie Schach.

Vor allem auf der ATP Tour gab es in der jüngeren Vergangenheit grosse Diskussionen, weil die Beläge immer langsamer werden. Das dürfte ihrer offensiven Spielweise nicht entgegen kommen…

Wer sagt, dass die Beläge langsamer geworden sind?

Einige ihrer männlichen Kollegen…

Hm wirklich? Das habe ich gar nicht mitbekommen. Nun, dieses Gefühl habe ich nicht. Für mich fühlt es sich immer etwa gleich an, wenn ich an Turniere zurückkehre. Vielleicht ist der eine oder andere Hartplatz ein wenig langsamer geworden, aber die Unterschiede sind minim. Ich versuche ohnehin nicht, mich davon beeinflussen zu lassen. Ich muss auf jedem Belag und gegen jede Gegnerin einen Weg finden, um zu gewinnen. Man muss sich sowieso immer anpassen. Natürlich kommt meinem Spielstil ein schneller Belag entgegen. Deshalb liebe ich es auch, auf Rasen zu spielen.

Ich weiss nicht, wie intensiv Sie verfolgen, was in den sozialen Medien passiert. Aber Ihr Handshake mit Elina Svitolina…

(Strycova unterbricht die Frage lachend): Ja das war lustig. Eigentlich verfolge ich die sozialen Medien nicht allzu sehr, aber ich hatte am nächsten Tag unzählige Nachrichten.

 

War das eine spontane Aktion?

Ich respektiere jede Spielerin. Es ist egal, was während der Partie passiert ist, man sollte sich am Ende immer in die Augen schauen und die Hand schütteln. Das hat mit Respekt zu tun. Sie hat das nicht gemacht, obwohl sie die Partie gewonnen hat und ich dachte mir: ‚Das darf jetzt nicht wahr sein.‘ So habe ich ihr gezeigt, wie man richtig die Hand schüttelt. Ich hoffe, sie weiss nun, wie ein richtiger Handshake geht.

Haben Sie sich das Video von diesem Vorfall angeschaut?

Ja, ein paar Mal (lacht).

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Viele Spielerinnen sagen, dass es unmöglich ist, Freunde auf der Tour zu haben…

Das sehe ich anders. Wenn man keine Freunde auf der Tour hat, ist es unmöglich, so zu reisen. Ich sage nicht, dass man sich mit jedem verstehen muss. Aber man hat ein paar Freunde, mit denen man Zeit verbringt und denen man vertraut. Ich versuche aber wenn immer möglich, Freunde von zuhause dabei zu haben. Das Tourleben ist sehr einsam, es ist nicht immer einfach.

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© Christopher Levy

Es klingt, als ob Sie es ein bisschen satt hätten…

Um ehrlich zu sein, macht mich die ständige Reiserei etwas müde. 2014 war eine unglaubliche Saison für mich und auch in diesem Jahr habe ich stark begonnen. In den letzten Monaten habe ich mich aber oft müde gefühlt und hatte einige Verletzungssorgen. Ich spiele momentan nicht so, wie ich gerne würde. Deshalb werde ich nach diesem Turnier auch eine Pause einlegen, nach Hause nach Pilsen reisen und erst wieder zum Start der US Open Series zurückkehren.

Pilsen ist bekannt für sein Bier. Mögen Sie Bier?

Ja, sehr! (lacht)

Über etwas müssen wir noch sprechen: Sie haben vor einiger Zeit ein Bild mit einer Schnecke auf ihrem Gesicht gepostet…

Ich habe gehört, dass die Falten so weg gehen. Das ist kein Witz! Deshalb mache ich das jetzt jeden Abend (lacht).

Also gehen Sie nach draussen und suchen eine Schnecke?

Nein, nein. Ich habe eine als Geschenk erhalten, weil ich Schnecken liebe. Sie ist bei mir zuhause.

Andere haben Katzen und Hunde als Haustiere, sie eine Schnecke…

… mit dem Unterschied, dass ich nicht mit ihr kuscheln kann (lacht).

I have a new regeneration for my skin!! Anti wrinkle gel!! #snail #wrinkles #gone #naturelover #weird #good

Ein von Barbora Strycova (@barborastrycova) gepostetes Foto am

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