Roger Federer: der schlechte Witzerzähler

Der bekannte Komiker Beat Schlatter liess vor einigen Jahren für das „Sportpanorama“ Schweizer Top-Sportler ihren Lieblingswitz vor laufender Kamera erzählen. Sein grosses Ziel war es, auch Roger Federer zum Mitmachen zu gewinnen. Wie das Ganze ablief und weshalb es beinahe komplett in die Hose ging, erzählt er nun in seinem Buch „Bin gleich zurück – Komisches aus dem Leben von Beat Schlatter“, welches im vergangenen Oktober in die Läden kam. Viel Spass!

„Mark Streit, Didier Cuche, Simon Ammann, Christian Gross, Köbi Kühn, Franco Marvulli und Marco Streller sind nur ein paar Namen von Sportlern, die mitgemacht haben. Unsere höchste Ambition war es natürlich, auch Roger Federers Lieblingswitz aufzunehmen. Nun kann man aber schlecht einen Weltstar vom Format Roger Federers anrufen und sagen: „Guten Tag Herr Federer, wir möchten Sie fragen, ob sie für das Schweizer Fernsehen einen Witz erzählen, je versauter, desto besser.“

So dachten wir, dass Federers Witz ein unerreichbares Ziel bleiben würde. Mit einer List gelang es uns jedoch, Roger Federer einen Witz erzählen zu lassen. An einem Sonntagabend war Federer in eine Sendung eingeladen. Wir klärten ab, wann er in der Maske war, und arrangierten, dass ich zur gleichen Zeit auf dem Sitz neben ihm gepudert wurde, rein zufällig natürlich. Ich versuchte, ihn in ein lockeres Gespräch zu verwickeln, was ganz gut gelang. Roger Federer plauderte also in der Maske mit mir, und ich erwähnte so ganz nebenbei all die Sportler, die mir bereits ihren Lieblingswitz erzählt hätten. Es wäre doch toll, sagte ich sehr relaxed, wenn er auch mitmachen würde. Roger sagte nicht weniger relaxed zu. Ich musste mich zurückhalten, um ihm vor Freude nicht um den Hals zu fallen.

Ich sollte nach der Sendung in seine Garderobe kommen, instruierte mich Roger. Am besten sei es, wenn seine Frau, die auch seine Managerin ist, nichts davon erfahre.

Nach der Sendung ging ich also schnurstracks in Federers Garderobe. Seine Frau war nicht da. Nun hiess es, keine Zeit verlieren. Ich klärte rasch das Rechtliche, holte also ein Einverständnis ein, dass ich den Witz veröffentlichen durfte, und fragte ihn, wie ich ihn erreichen konnte, falls irgendetwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Er gab mir seine Mobilnummer, von der ich wusste, dass sie schwer zu bekommen war. Ich kannte viele Leute, die für diese Nummer über Leichen gegangen wären. Fast.

Endlich konnte es losgehen. Ich rief den im Korridor wartenden Kameramann und erklärte noch einmal, dass der Witz also ruhig auch äh, ein bisschen, nun ähm. Dings, also frecher sein dürfe, du weisst, was ich meine. Roger nickte und legte los. Und mir fror das Gesicht ein. Was für ein Desaster! Roger Federer erzählte einen Witz, der überhaupt nicht lustig war. Einen vollkommenen harmlosen Kinderwitz. Nun begann ich zu schwitzen. Wie sagt man Roger Federer, dass sein Witz nicht lustig ist? Jeden Augenblick konnte ausserdem seine Frau auftauchen und der Sache ein Ende bereiten. Ich erzählte einen schärferen Witz von einem anderen Sportler und meinte, dass ich Angst habe, sein Witz könnte im Vergleich zu diesem etwas abfallen. Roger verstand und erzählte mir einen zweiten Witz, der zum Glück etwas mehr Pfeffer hatte. Unmittelbar nach der Pointe trat seine Frau in die Garderobe. Sie war erstaunt, mich und einen Kameramann anzutreffen. Wahrscheinlich dachte sie, es handle sich um ein normales Interview. Doch bevor sie der Sache auf den Grund gehen konnte, machten wir, dass wir mit unserem Witz im Kasten verdufteten.“